N.I.K.E.-Institut für Kommunikation und Erwachsenenbildung

Alter

Alter – wann ist das?

Alter ist immer, wir altern jeden Tag!

So gesehen ist Alter nichts Besonderes, sondern ein alltäglicher Prozess im Leben. Warum dann ist ́Lebensgestaltung im Alter ́ als Thema in aller Munde, nicht nur bei den Sozialversicherungen? Von Berufswegen und sicherlich nicht zufällig habe ich mir drei Fragestellungen zum Thema Alter herausgepickt, die ich mit „Niemals zu alt……!“ überschreiben möchte und die mich immer wieder intensiv beschäftigen.

1. Mit welchen Altersbildern werden wir immer wieder konfrontiert und was machen diese mit uns?

2. Wie steht es um die Lern- und Veränderungsfähigkeit im Alter und was sagen uns die Hirnforscher dazu?

3. Was haben beide Fragen miteinander zu tun?

Aus einer Veröffentlichung des Versicherungskonzerns AXA: „1916, als das Rentenalter auf 65 festgesetzt wurde, erreichten nur drei von zehn Bürgern dieses Alter. Der medizinische Fortschritt und soziale Entwicklungen haben in 100 Jahren die Lebenserwartung kräftig erhöht und damit den späten Lebensphasen Bedeutung gegeben.

Die Alternsforscher haben eine neue Einteilung vorgenommen: Neben Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter unterscheidet man heute noch zusätzlich zwischen einem dritten und vierten Alter. Die Gruppe der 60-79Jährigen sind die „jungen Alten“, die sich deutlich von den „alten Alten“ unterscheiden, weil sie noch weniger von biologischen Alternszeichen eingeschränkt sind. 65-Jährige laufen Marathon, sind auf E-Bikes unterwegs, unternehmen Trekkingreisen, nutzen soziale Medien und sind modisch auf dem Laufenden. Keinesfalls bedeutet der Eintritt ins Rentenalter heute, dass Menschen nichts mehr leisten. Im Gegenteil:

Viele erreichen erst jetzt den Höhepunkt ihres Schaffens oder schlagen sogar noch einmal einen neuen Weg ein.

Vor diesem Hintergrund bekommen meine Fragen eine völlig andere Bedeutung, als dies noch vor etlichen Jahrzehnten der Fall gewesen wäre. Nämlich, dass die Chancen für eine aktive Lebensgestaltung nicht mit dem 60. Lebensjahr enden, sondern weit darüber hinaus gehen, wie die folgenden Beispiele aufzeigen.

Motto: „Da geht noch was!“

Am 8. März 2019, am Frauentag, stellte Bettina Böttinger in der Sendung WDR 3 Kölner Treff die 94jährige Rosemarie Achenbach vor. Sie hat nach dem Tod ihres Mannes 2004 an der Uni Siegen ihren Magister in Philosophie gemacht und ist aktuell mit ihrer Doktorarbeit beschäftigt.

Hannelore Hoger, die berühmte erfolgreiche Schauspielerin, sagt in einem Interview: „Ich kann doch nicht immer ans Alter und den Tod denken, da verpasse ich ja das Leben!“

Sind das Ausnahmen? Vielleicht – vielleicht aber auch nicht!

Der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther kommt zu dem Ergebnis „Wir können bis ins hohe Alter lernen und verändern – unsere Zellen im Gehirn erneuern sich lebenslänglich“!

Und weiter: „Aber wirklich bemerkens- und bedenkenswert ist nicht diese neue Erkenntnis der lebenslangen Umbau- und Lernfähigkeit des menschlichen Gehirns an sich, sondern der Umstand …..wie zögerlich sie von den meisten Menschen angenommen, ernst genommen und deshalb auch umgesetzt wird:“

Blockieren die tradierten Altersbilder in uns selbst die Chance des lebenslangen Lernens und Veränderns?

Ich habe gelesen, dass wir nur 10% unserer Potenziale nutzen! Wenn das stimmt, ist das arg wenig. Was spricht also dagegen, die Lernfähigkeit bewusster zu nutzen, zu genießen? Sich weiterzuentwickeln mit Begeisterung, Neugier und Spaß – egal wofür und für was!

Es sind die Altersbilder in unseren Köpfen, die Lernen erschweren und sogar verhindern. Diese Altersbilder in den Köpfen sehen ein überwiegend negatives Altersbild und berücksichtigen nicht, dass zwischen 55plus und 75plus eine neue längere Lebensphase entstanden ist.

Dr. Eckart von Hirschhausen und Prof. Dr. Tobias Esch sprechen hierüber in ihrem Buch “Die bessere Hälfte. Worauf wir uns mitten im Leben freuen können“ und formulieren unter anderem folgende These: „Die Phase zwischen 60 und 85 ist länger als die Kindheit und Pubertät, länger als die Ausbildungszeit, länger, als die meisten Menschen am Stück in einem Job verbleiben …diese Zeit kann extrem erfüllend sein, heiter und bunt!“ (Rowohlt, 09/2018, S. 17)

Tradierte Altersbilder jedoch verstellen den Blick auf die Möglichkeit, unseren Lebensweg auch jenseits 55plus ebenso aktiv und zuversichtlich zu gestalten, wie wir dies automatisch in jungen Jahren tuen. Altern passiert, den Umgang damit haben wir in der Hand. Das Leben gestalten geht immer, auch wenn sich die Rahmenbedingungen mit dem Alter verändern. Barbara Wackernagel-Jacobs (geb. 1950), Sozialpolitikerin und Filmproduzentin erklärt in ihrem Vortrag auf You-tube „Warum wir eine neue Erzählung vom Alter brauchen“. Ein sehenswerter Beitrag.

Was wird die Babyboomer-Generation machen? Zwischen 2018 und 2031 werden etwa ein Drittel der derzeit Erwerbstätigen aus dem Berufsleben ausscheiden. Gehen sie in Rente mit den überwiegend überholten Altersbildern und wenig Zutrauen zum Weiterlernen und selbstbewusstem Gestalten der zusätzlichen Lebenszeit? Oder werden Sie sich aktiv mit den Fragen nach einer „ihrem Alter gemäßen“ Lebensgestaltung zuwenden?